Isolation gefährdet langfristig das Überleben

Bericht aus der Badischen Zeitung vom 10.Januar 2011 (sda) (zum Originalbericht)

Äschen in oberer Birs und bei der Rheinmündung tauschen sich nicht aus / Schuld sind wohl nicht funktionierende Fischtreppen.

Die Baselbieter Äsche / Foto: Universität Basel
Die Baselbieter Äsche / Foto: Universität Basel

BASEL/LAUFEN (sda). Zwischen den Äschen-Populationen in der oberen Baselbieter Birs und im Rhein-Mündungsgebiet bei Basel findet kein Austausch statt. Diese genetische Isolation ist wichtigste Erkenntnis einer Studie der Universität Basel. Als Grund werden Kraftwerk-Staus vermutet.

Die mit den Forellen verwandten Äschen sind beliebte Speisefische. Einst im ganzen Mittelland weit verbreitet, steht die Art heute als "verletzlich" auf der roten Liste der bedrohten Arten der Schweiz. Auch in der Birs, die in Berner Jurahöhen entspringt und bei Basel in den Rhein mündet, sind Äschenbestände teils zurückgegangen. Als landesweite Premiere hat der kantonale Fischerverband (KFVBL) "seine" Birs-Äschen genetisch untersuchen lassen. Beim Fang mit Strom und Rute zwischen Reinach und der Grenze zum Jura haben KFVBL-Fischer assistiert. 128 gefangenen Fischen wurden schonend Schuppen entnommen, dann durften sie zurück in den Bach.

Die mit modernsten Methoden ermittelten Verwandtschaftsgrade sind nicht nur für Wissenschafter interessant; sie geben auch Aufschluss darüber, ob und wie sich die lokalen Bestände austauschen und wo Besatz eingekreuzt ist. Je vielfältiger das Erbmaterial, desto weniger anfällig sind die Populationen auf Inzucht- Degeneration.

Die am Freitag, 07.01.11 vorgestellte Studie des Zoologen Pascal Vonlanthen unter Professor Walter Salzburger belegt Probleme: Die Äschen im Laufental sind isoliert von jenen bei Basel. Der fürs langfristige Überleben notwendige genetische Austausch findet nicht statt. Dies gelte für den Aufstieg wie für die Abwärtswanderung.

Als Aufstiegshemmnis werden unüberwindbare Wanderhindernisse vermutet: Zwischen Birsfelden und Zwingen hat es mehrere Kleinwasserkraftwerke, deren Fischtreppen laut KFVBL teils nicht richtig funktionieren. Bei Hochwasser abwärts bugsierte Fische hingegen haben offenbar bei der natürlichen Konkurrenz Nachteile.

Zeitweise fast verschwunden, war die Äsche in der Birs bis in die 90er Jahre bewirtschaftet worden; der natürlichen Reproduktion half man mit Besatz nach. Dies hat sich im Erbgut niedergeschlagen, denn heutige obere Birs-Bestände lassen sich zumeist auf Äschen aus dem Einzugsgebiet des Doubs zurück führen, der via Rhone ins Mittelmeer fließt.

Eine Folgestudie soll nun die Aufstiegs-Probleme der Rhein-Äschen in der Birs genauer ausleuchten. Ähnliche genetische Studien liegen erst vor zum Strömer, einer kleinen – ebenfalls gefährdeten – Weißfischart: Dessen heutige europäischen Bestände basieren auf zwei Restbeständen, welche die letzte Eiszeit überlebt hatten.